...was ich noch sagen wollte...

Wohin geht die ÖVP?

In letzter Zeit habe ich vermehrt politische Diskussionen mit ÖVP-Mitgliedern oder -Sympathisanten geführt und dabei bin ich zwei ganz unterschiedlichen „Lagern“ begegnet, von denen man gar nicht glauben kann, dass sie in der gleichen Partei beheimatet sind. Oft war ich überrascht bis schockiert, was ich da so zu hören bekam. Manche Aussagen würde wohl selbst die katholische Kirche als zu extrem bezeichnen. Interessant war dabei auch, dass jeder als „links-linker Gutmensch“ gilt, der mit der erzkonservativen Ideologie des letzten Jahrhunderts nichts anzufangen weiß. Das ist die eine Gruppe.

Und dann gibt es noch ganz andere, die modern und weltoffen argumentieren, die ideologische Scheuklappen abzulegen und bisher einzementierte Standpunkte zu überdenken bereit sind. Diese Gruppe fühlt(e) sich beim Obmannwechsel zu Reinhold Mitterlehner im Aufwind, zumindest ließen seine ersten Aussagen vermuten, dass jetzt ein Obmann das Ruder übernimmt, der die Partei von den Ketten der Vergangenheit lösen möchte.

Doch schafft er das? Ein ÖVP-Obmann hat bekanntermaßen nicht nur das Problem der Bünde mit zum Teil ganz unterschiedlichen Interessen und Einstellungen, er wird nichts gegen den Willen „seiner“ Landeshauptleute umsetzen können, er hat offenbar zusätzlich auch noch das Problem, dass es zwei unterschiedliche Strömungen in der Basis gibt. Die meist Älteren, die um jeden Preis jede Veränderung und Modernisierung verhindern möchten und die Jüngeren, die einen neuen Weg gehen wollen.

Welchen Weg die ÖVP auch einschlagen wird, es wird nicht einfach sein, die jeweils andere Gruppe davon zu überzeugen und ich persönlich kann mir aufgrund meiner Diskussionserfahrungen überhaupt nicht vorstellen, wie so unterschiedliche Einstellungen innerhalb einer Partei unter einen Hut zu bringen sein sollen.

Natürlich sind meine Erfahrungen nicht repräsentativ und in der Gesamtheit der Partei könnte sich womöglich ein ganz anderes Bild ergeben. Doch eigentlich sind schon einzelne Anliegen innerhalb der Partei nur schwer zu vereinbaren: Da gibt es einerseits die Auffassung, der Staat sollte sich zurücknehmen, der Bürger sollte mehr Eigenverantwortung, Selbständigkeit, Entscheidungs- und Wahlfreiheit haben, andererseits kämpfen Teile der Partei für ein Sterbehilfeverbot im Verfassungsrang, halten an einem restriktiven Fortpflanzungsgesetz fest und wehren sich mit Händen und Füßen gegen zusätzliche Wahlmöglichkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Allesamt Vorstellungen, die der Eigenverantwortung und Wahlfreiheit widersprechen.

Nein, so ein ÖVP-Obmann hat’s nicht leicht…

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