...was ich noch sagen wollte...

Wiener Gemütlichkeit

Es ist schon ein paar Jährchen her, als es noch viele Taxilenker gab, die das typische Wiener Urgestein verkörperten – die meisten leicht übergewichtig, innere Ruhe und Gelassenheit ausstrahlend und mit ihrem oft grantelndem Charme fast schon eine Touristenattraktion. An genau so einen bin ich eines Tages geraten. Die langsame Begrüßung mit sonorer Stimme („Tag, da Herr. Wo fohr’ma hin, bittschen?“) war allein schon ein kleines Erlebnis, aber nichts zu dem, was ich während dieser Fahrt noch erleben sollte.

Wenige hundert Meter vom Taxistandplatz entfernt, wurde er rasant überholt und dabei scharf geschnitten. Das kommentierte er – in erwarteter Gelassenheit – nur mit einem „Ham’S so an Oaschtrottel scho amoi g’sehn?“ und einem kräftigen Hupen. Letzteres führte zu einer ausgestreckten Hand mit erhobenem Mittelfinger des anderen Fahrers, der jetzt vor uns fuhr. Und das war eine Handbewegung zuviel – jetzt war es vorbei mit Gelassenheit und Gemütlichkeit. Das Wiener Urgestein trat auf’s Gas, verfolgte den noch immer vor ihm Fahrenden, bis wir endlich bei einer roten Ampel zu Stehen kamen.

Der Taxler stieg aus, stapfte zum Auto vor ihm, riß die Fahrertür auf und schrie in unglaublicher Lautstärke:

Oida, waun’st mi no amoi schneidst, schneid i da de Brust auf, reiß da es Beischl außa und scheiß da ins Herz!

Schrie’s, schlug die Tür zu, setzte sich wieder hinter sein Steuer und tat, als hätten die letzten Minuten nie stattgefunden.

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