...was ich noch sagen wollte...

Weil es immer so war

Katzen hassen Veränderungen. Österreicher auch!

Natürlich wird jeder von uns vehement bestreiten, den „typischen Österreicher“ zu verkörpern, aber jeder von uns kennt zumindest eine Person, deren Verhaltensweisen ihn oder sie als „typischen Österreicher“ ausweisen. In erster Linie verbinden wir mit dem „typischen Österreicher“ ein Nörgeln oder Granteln, gleichzeitig aber auch Charme und Gemütlichkeit. Weniger zum Bild des typischen Österreichers paßt seine Abneigung gegenüber Veränderungen und Neuerungen, trotzdem ist diese Abneigung allgegenwärtig – mindestens genau so ausgeprägt wie bei unseren Hauskatzen.

Kommt jemand auf die Idee, uns in unseren gewohnten Abläufen eine Veränderung aufzuzwingen, reagieren wir erst einmal mit Ablehnung – ganz so, als wäre das ein natürlicher Reflex. Egal, welcher (Lebens)Bereich betroffen ist, die überwiegende Mehrheit der von einer Neuerung Betroffenen, wendet zuerst viel Zeit und Anstrengung dafür auf, Argumente zu finden, die diese Neuerung als Unsinn abtun. Gelingt das nicht auf Anhieb, werden mit bewundernswertem Engagement Fallbeispiele konstruiert, die beweisen sollen, warum die geplante Neuerung gar nicht funktionieren kann oder welche unlösbaren Probleme sich dabei auftun werden.

Würde diese Zeit, Kraft und Anstrengung dazu verwendet, Wege und Lösungen zu suchen, die geplante Veränderung so reibungslos als möglich umzusetzen bzw. auf Schiene zu bringen, würden wir damit nicht nur unser eigenes Leben erleichtern, wir wären in der Umsetzung von oft dringend notwendigen Reformen auch weit erfolgreicher. Statt dessen begegnen wir Verhinderungsstrategien, die auf fragwürdigen Argumenten wie z.B. „das ist historisch gewachsen“ oder „weil’s immer schon so war“ fußen.

Gut, ertappt, auch dieses Verhaltensmuster streiten die meisten von uns ab. Wir alle sind selbstverständlich jeder Veränderung gegenüber aufgeschlossen, schließlich sind wir moderne, weltoffene Menschen. Aber eine Veränderung muß natürlich Sinn machen und funktionieren! Jede undurchdachte, nicht ausgereifte Neuerung macht keinen Sinn. Interessanterweise sind die „durchdachten“ und „ausgereiften“ Neuerungen keine wirklichen Veränderungen. Und somit beschränken sich diese „durchdachten Veränderungen“ meist auf das Auslagern oder Umbenennen alter, längst überholter Muster. Womit wir eigentlich erst wieder bestätigen: Österreicher hassen Veränderungen. Katzen auch!

Aktuell empört sich ein Teil der Wiener Seele an der (teilweise) zur Fußgängerzone umgestalteten Mariahilfer Straße. Und wieder werden Argumente gesammelt, warum ausgerechnet diese Einkaufsstraße keine Fußgängerzone sein kann oder soll, wieder werden schon zu Beginn der Probezeit alle möglichen und unmöglichen Problemsituationen zerredet, die irgendwann auftreten könnten oder auch nicht. Nein, wieder sind Farbenstreitereien auf dem Asphalt wichtiger als das gemeinsame Planen, wie man für alle Beteiligten eine zufriedenstellende Lösung finden kann. Weil mal wieder viele denken, dass nicht verändert werden darf, was schon seit Jahrzehnten besteht. Dabei waren auch Kärntner Straße, Graben oder Kohlmarkt nicht seit der Stadtgründung ausgewiesene Fußgängerzonen…

Vielleicht ist das Unvermögen, mit Veränderungen umzugehen, der wahre Grund, warum in Österreich keine echten Reformen umgesetzt werden und wir so oft den  Entwicklungen unserer Zeit hinterherhinken…

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