...was ich noch sagen wollte...

Was tun Sie eigentlich für Ihr Land?

Viele Lebensbereiche und -situationen funktionieren aufgrund eines alten und wirkungsvollen Prinzips: Geben und Nehmen. Spielt dieses Prinzip auch bei unserem Verhältnis zum Staat eine Rolle? Was tust Du, was tun Sie, was tun wir alle für unser Österreich? Und was tut Österreich für uns? Gibt es beispielsweise Steuervorteile für Menschen, die für Österreich und/oder die Bevölkerung Besonderes leisten?

Ich bin Altenpflegerin und kümmere mich um Menschen, die sich nicht mehr um sich selbst kümmern können und niemanden haben, der sich um sie kümmert. Ich mache meinen Job. Aber ich versuche auch, jedem dieser Menschen ein wenig menschliche Wärme und Zuneigung zu geben.

Was Österreich für mich tut? Keine Ahnung. Nicht viel. Unser Gehalt ist nicht aufregend; wenn man die psychische und physische Belastung berücksichtigt, sind wir stark unterbezahlt. Wegen des Geldes macht diesen Job niemand lange, da gibt’s besser bezahlte und einfachere. Diesen Job macht man aus Liebe zum Menschen, nicht aus Liebe zum Geld! Einmal war der Landeshauptmann da und hat sich bei uns bedankt. Gut, mit seinem Dank und Händedruck kann ich leider nicht einkaufen gehen…

Steuervorteile?? Scherzkeks!
Anna A., Altenpflegerin

Ärzte, Sanitäter, Feuerwehrleute, Polizisten, Sozialarbeiter, Berufe in der Kinder-, Familien- und Behindertenbetreuung,  usw. usf. Es gibt viele Berufe, die für die Allgemeinheit arbeiten und ihr dienen, auf deren Arbeit und Dienstleistungen wir nur schwer bis überhaupt nicht verzichten könnten. Das ist ihr Job. Dafür werden sie bezahlt. Manche mehr, manche weniger. Die meisten von ihnen sehen das nicht als besondere Tätigkeit für Österreich, sie sehen das tatsächlich als „Job“, der getan werden muß, trotzdem: Ganz ohne Idealismus geht’s wohl auch nicht. Ob sie es nun so sehen oder nicht – sie tun etwas für uns, für Österreich.

Und was tut Österreich für sie? Bis auf ein paar Dankesworte, hin und wieder vielleicht eine Auszeichnung, nichts, worauf nicht jeder andere auch Anspruch hätte. Steuervorteile? Stimmt, diese Frage kann nur als Scherz empfunden werden, jede Antwort erübrigt sich. Oder doch nicht?

Was ich für Österreich tue? Ich bin Spitzensportler, ich trainiere hart, das ganze Jahr über, um für Österreich zu gewinnen! Jeder Sieg ist auch ein Sieg für Österreich. Davon profitiert jeder Österreicher!

Was Österreich für mich tut? Nun ja, ich bin Soldat, das Bundesheer, also die Republik Österreich, ermöglicht es mir, täglich in der Dienstzeit zu trainieren. Das könnte ich in einem anderen Beruf natürlich nicht.

Steuervorteile? Ja, natürlich, sämtliche Einkünfte werden mit nur 17 Prozent versteuert. In einem anderen Beruf müßte ich 50 Prozent Steuer zahlen, aber das ist nur gerecht, Österreich verdient schließlich auch an meinen Erfolgen!
N.N., Spitzensportler

So ganz scheinen mir die Relationen des Gebens und des Nehmens hier nicht zu stimmen… Und wenn manche Politiker von „sozialer Gerechtigkeit“ reden, Vermögenssteuern fordern, aber gleichzeitig solche Steuervorteile für Spitzensportler und Spitzenverdiener beschließen, welche sonstigen Vorteile haben sie sonst noch beschlossen oder welche zusätzlichen schweben ihnen noch vor?

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