...was ich noch sagen wollte...

Was ist nur mit unseren Lehrern los?

Die Bundesregierung – obwohl Verhandler auf der Gegenseite – wird der Lehrergewerkschaft geheim topenden Applaus spenden. Hat die Berichterstattung und Diskussion über das Scheitern der Verhandlungen mit der Lehrergewerkschaft doch die unfassbaren Vorgänge rund um das Budget in den letzten Tagen größtenteils zugedeckt. Und je länger die Gegenwehr der Lehrergewerkschaft dauert, desto größer die Chance für die Regierungsparteien, dass Herr und Frau Wähler die Märchenstunde von vor der Wahl wieder vergißt. Einen größeren Gefallen hätten die Lehrergewerkschafter der Bundesregierung also gar nicht machen können.

Dennoch hinterläßt die strikte Ablehnung des neuen Lehrerdienstrechts durch die Lehrergewerkschaft und ihre Ankündigung von „gewerkschaftlichen Maßnahmen“ bei Nicht-Lehrern ein gewisses Unverständnis. Zur Erinnerung: Das neue Lehrerdienstrecht wird für keinen einzigen der heute aktiven Lehrer gelten! Es wird erst ab dem Schuljahr 2019/2020 für neu eintretende Lehrer gelten! Die Lehrergewerkschaft lehnt also ein Dienstrecht ab, das erst für eine künftige Lehrer-Generation gelten wird. Ob die Auswirkungen positiv oder negativ sein werden, kann in Wahrheit noch niemand beurteilen und vor allem: Niemand weiß, wie die künftigen Lehrer dazu stehen. Fairerweise müßte man also jene fragen, wie sie zum neuen Lehrerdienstrecht stehen, die sich gerade in der Lehrerausbildung befinden. Womöglich haben sie überhaupt kein Problem mit einer 24stündigen Unterrichtsverpflichtung und mit dem neuen Gehaltsschema? Hat die Lehrergewerkschaft sie jemals gefragt, wie sie dazu stehen? Oder haben sich die Verhandler auf Gewerkschaftsseite einfach nur als Hüter und Pächter der absoluten Weisheit verstanden, die schon wissen, was künftige Lehrer zu meinen haben?

Aktive Lehrer nutzen den Streit ums neue Dienstrecht eher dazu, um Vorurteilen entgegen zu wirken – dass sie die meisten Vor- und Nachbereitungsarbeiten zu Hause machen und deshalb auf oft mehr als – die bei anderen Dienstnehmern üblichen – 40 Wochenarbeitsstunden kommen, dass Ferienzeit nicht gleich Urlaubszeit bedeutet, weil sie Schulungen und Fortbildungskurse besuchen und dass überhaupt das Klischee des Lehrers in der Öffentlichkeit ein völlig falsches ist. Das mag alles sein, das neue Lehrerdienstrecht ändert diese Umstände für sie aber in keinster Weise. Das Problem der schlechten oder teilweise gar nicht vorhandenen Arbeitsplätze außerhalb der Schulklasse wird durch kein Lehrerdienstrecht verbessert oder verschlechtert, dieses Problem ist auf ganz anderer Ebene zu lösen.

Wer das Lehrerdienstrecht also mit diesen Argumenten ablehnt, begeht eine glatte Themenverfehlung und würde – wäre er Schüler – von seinem Lehrer schlecht beurteilt.

Ob ein langjähriger und somit geübter Lehrer mit Vorbereitungen wirklich so viel Zeit verbringt, dass er permanent auf 40 Wochenarbeitsstunden kommt, kann wohl durchaus hinterfragt werden. Diese Diskussion ist jedenfalls völlig vom Lehrerdienstrecht losgelöst zu führen und bedarf ganz anderer Lösungsansätze. Lösungen, die  die Politik finden muß, wie sie überhaupt die Dauerbaustelle Bildungspoltik endlich zu bewältigen hat. Derzeit findet der Stillstand der Regierungsparteien in Sachen Bildungspolitik eher auf dem Rücken der Schüler und Eltern statt, weniger auf jenem der Lehrer. Daher hält sich mein Verständnis für die angekündigten Proteste in sehr, sehr engen Grenzen.

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