...was ich noch sagen wollte...

Über Spekulanten und andere Wunder

Seit dem Bekanntwerden des „Salzburger Finanzskandals“, überschlagen sich alle Parteien geradezu mit Kritik und der Forderung eines Verbotes für Spekulationsgeschäfte. Wobei die angeblich ohnehin nie jemand wollte und in Salzburg geschah das immerhin im Verborgenen durch eine einzelne (!) Landesbeamtin, die Gott, die Welt und die verantwortlichen Landespolitiker arglistig getäuscht hat – wer’s glaubt, wird nächster Spitzenkandidat…

Natürlich ist auch das Wahlvolk entsetzt. Wie kann man nur öffentliche Gelder verspekulieren und einen Verlust von über 300 Millionen einfahren? Immerhin weiß man doch, wie böse der Finanzmarkt ist, in dem laufend hohe Millionenbeträge unauffindbar versickern. Schluß damit! Landesmittel gehören auf ein hübsches Sparbuch, nur dort sind sie sicher!

Geldvernichtung

Blicken wir mal 15 Jahre zurück in die Vergangenheit: Atemberaubend, sensationell – der Finanzmarkt liefert Renditen im zweistelligen Prozentbereich. Wer seine finanziellen Mittel zum richtigen Zeitpunkt richtig eingesetzt hat, freut sich mitunter über eine Verdoppelung seines Kapitals in nur wenigen Jahren. Wer da nicht mitmischt, sollte besachwaltert werden! Hätte in dieser Zeit eine Landesregierung vor diesen Veranlagungen zurückgescheut und auf eine 3-Prozent-Sparbuch-Verzinsung gesetzt, Wahlvolk und Opposition hätten sich ob diesem Dilettantismus und dieser Inkompetenz die Seele aus dem Leib geschrien. Wie kann man nur solche Chancen ungenutzt lassen? Öffentliche Gelder sollen, ja, müssen sogar, bestmöglichst eingesetzt werden. Völlig verantwortungslos wäre es da, sich derart hohe Kapitalgewinne bewußt entgehen zu lassen!

Nicht nur öffentliche Gelder. Jedem privaten Kreditnehmer wurden Fremdwährungskredite dringendst empfohlen, eigentlich förmlich aufgezwungen. Nicht nur private Versicherer, der Staat selbst, empfahl und förderte den Abschluß zukunftsträchtiger Altersabsicherungen. Mit staatlicher Pension dürfe ohnehin niemand ernsthaft rechnen, daher die Chancen des Kapitalmarkts nutzen und sich per fondsgebundener, privater Pensionsversicherung einen finanziell angenehmen Lebensabend sichern!

Heute schaut die Welt ganz anders aus – wieviel oder ob überhaupt eine private Pensionsversicherung zum angenehmen Lebensabend beitragen kann, ist fraglich. Nach und nach wird bekannt, wieviel Geld in den Ländern durch die einst lukrativen Geldgeschäfte verloren wurde. Und all jene, die vor 15 Jahren das Gegenteil gefordert haben, sind heute die schärfsten Kritiker, die außerdem schon immer gewußt haben wollen, wie unverantwortlich und gefährlich diese Veranlagungen waren.

Ja, die Wunder der Finanzmärkte waren kurz. Das Wundern darüber groß. Aber das wirkliche Wunder sind jene, die zuerst die möglichen Gewinne bejubelt haben, jetzt schon immer alles besser wissen wollten und gleichzeitig alle Schuld einer einzigen Person zuschieben wollen.

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