...was ich noch sagen wollte...

Situationselastische Mathematik

Seit letzter Woche kennen wir sie nun also, die neuen Steuervorschläge der SPÖ. Wir wissen, dass es nach ihren Vorstellungen eine 25 bis 30 %ige Erbschafts- und Schenkungssteuer geben soll und eine Millionärsabgabe von 0,5 bis einem Prozent – jeweils ab einer Million Euro. Ach ja, und nur die Superreichen sollen von diesen Steuerplänen betroffen sein, keinesfalls die viel zitierten „Häuselbauer“. Wirklich?

Genau hier sollte man die noch offenen Fragen beantwortet bekommen, denn diese entscheiden, wer denn nun wirklich nach diesem Modell betroffen sein könnte. Eine entscheidende Frage ist nämlich, wovon werden im Falle der Schenkungs- oder Erbschaftssteuer die 25 bis 30 Prozent berechnet? Eine Frage, die man mir noch nicht beantworten konnte oder wollte. Wird bei Immobilien der Einheitswert als Berechnungsgundlage herangezogen? Oder der Verkaufswert? Sollte es der (weit höhere) Verkaufswert sein: Welcher zu welchem Zeitpunkt? Denn nach den Plänen der SPÖ sollen ja über einen Zeitraum von 30 Jahren (!) alle Schenkungen und Erbschaften zusammengerechnet werden. Da wäre es natürlich auch wichtig zu wissen, ob der Verkaufswert zum Zeitpunkt der Schenkung/Erbschaft gilt oder der aktuelle. Egal! Es trifft ja nur die Superreichen, denn wer hat schon – und sei es über 30 Jahre – über eine Million geschenkt oder vererbt bekommen?!

Ein Freund gibt mir darauf die Antwort: Seine Eltern – als Arbeiter die klassische Stammwählerschicht der SPÖ – haben in den frühen 70ern mit Erspartem und einer kleinen Erbschaft des Großvaters zu damals vergleichsweise sehr günstigen Preisen ein Grundstück in einem Wiener Außenbezirk gekauft, um dem damals kleinen Sohn für später einen Start ins glückliche Familienleben mit Eigenheim zu ermöglichen. Eine durchaus oft gelebte Praxis, wie Eltern dem Wunsch, dass es ihren Kindern mal besser gehen solle, Rechnung getragen haben. Und so war es dann auch, er hat sich (ebenfalls mit Erspartem und Krediten) für sich und seine Familie ein schickes Haus auf diesem Grundstück gebaut. Mit dem Fall der Schenkungssteuer haben seine Eltern ihm das Grundstück dann geschenkt, weil’s ja egal ist, ob zu diesem Zeitpunkt oder erst zu einem späteren Zeitpunkt.

In der aktuellen Diskussion wird der „Schönheitsfehler“ dieser Familiengeschichte ersichtlich: Das ehemalige Niemandsland ist heute eine dicht verbaute Gegend und das günstige Grundstück von damals ein kleines Vermögen wert. Dank der Ausdehnung der Stadt, dem Zuzug nach Wien, der enormen Nachfrage und dem schwindenen Angebot an Baufläche, dürften Grundstück und Haus nun an die zwei Millionen wert sein. Für meinen Freund ist es nun entscheidend, wie die geplante (rückwirkende) Schenkungssteuer berechnet wird. Zählt der Einheitswert, hat er Glück und zahlt nichts. Wird der Verkehrswert zum Zeitpunkt der Schenkung herangezogen, hat er Pech, denn 2009 lag der Wert mit Sicherheit schon bedeutend über einer Million. Wird der Verkehrswert zum Zeitpunkt der Einführung der neuen Schenkungssteuer herangezogen, hat er großes Pech, denn in zwei bis drei Jahren könnte der Wert sogar knapp über zwei Millionen liegen. Das wäre dann eine Steuerabgabe, die er sich nicht leisten könnte – müßte er dann sein Haus samt Grundstück verkaufen? Und wäre dann nicht nur die rückwirkende Schenkungssteuer vom Erlös zu bezahlen, sondern auch noch die ebenfalls neu geplante Millionärsabgabe?

Wir wissen es nicht. Angeblich wissen es auch die Funktionäre nicht, die derzeit die neuen Steuerpläne so eifrig verteidigen und beteuern, dass nur die Superreichen betroffen sein werden. Wieso glauben sie das zu wissen? Hinterfragen ist offenbar nicht mehr modern. Ein seltsames Phänomen zeigt sich hier: Sie alle wissen, wie hoch die Steuereinnahmen durch die geplanten „Vermögenssteuern“ sein werden. Sie wissen aber nicht, wovon sie berechnet werden. Sie kennen also das Ergebnis ohne die Berechnung. Es gibt da einen Funktionär, der würde jetzt womöglich sagen: Das ist eben situationselastische Mathematik.

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Kommentare

  1. maresa  Dezember 14, 2014

    Lieber Hannes, du hast eindeutig wichtige Teile des Mathematikunterrichts versäumt – denn – wir kennen alle das ErfolgsERGEBNIS der SPÖ, also den Vermögensreingewinn durch die Steuereinnahme!
    Erinnert dich dass nicht an deine Schulzeit, wo du unter dem Zeitdruck einer Unterrichtseinheit bei Schularbeiten den Erntegewinn des Bauern K mit dem Bauern L vergleichen musstest, die beiden Tonnen von Erdäpfeln ziemlich planlos ausgesät und dann geerntet haben, ohne im Vorfeld darüber auch nur einen Gedanken verschwendet zu haben, in wieviele 10 kg Säcke solche Mengen abzufüllen sind und ob sich die viele Arbeit wirtschaftlich überhaupt rechnet, da bei genauerer Analyse ja jedem klar war, dass ein Kleinbauer die nötigen Erntemaschinen, Abfüllanlagen, Lagermöglichkeiten und Abnehmer überhaupt nicht hat!!!

    Das Mathematikbuch mit seinen unrealistisch fiktiven Angaben scheint nicht der einzige Ort auf dieser Welt zu sein, um sich die Beweisführung mit Hilfe von Schulkindern Jahr für Jahr aufs Neue berechnen zu lassen. (c) maresa gallauner

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