...was ich noch sagen wollte...

Nichtrauchertagebuch – Tage 4 – 6

Vielen Rauchern wird die Situation vertraut sein: Man wacht frühmorgens auf, gähnt herzhaft oder holt einfach nur tief Luft und schon beginnt er – der für langjährige Raucher so typitsche Husten(reiz), der sich erst wieder beruhigt, wenn man die ersten Züge der morgendlichen Zigarette inhaliert hat.

Eine auch bei mir lang geübte Praxis, die sich in den letzten Tagen auf wundersame Weise verabschiedet hat.

Für Nichtraucher, die noch nie der Nikotinsucht huldigten, muß es absurd sein, wenn Raucher immer wieder in recht unappetitliche Hustenanfälle verfallen und trotzdem zwei, drei oder mehr Packungen Zigaretten am Tag „verschlingen“. Natürlich ist es absurd, das wird kaum ein Raucher ernsthaft bestreiten wollen. Und der Raucher, der heute seine Hustenkrämpfe mit Verkühlungen schönzureden versucht, hat vor einigen Jahren bei anderen Rauchern sicher den Kopf geschüttelt und beteuert: ‚Also, wenn ich mal so huste, dann hör ich sicher auf!‘.

Dummerweise sucht man sich das (entgegen einer unter Nichtrauchern häufig vertretenen Meinung) nicht aus. Kein Jugendlicher fällt bei seinen ersten Zigaretten die bewußte Entscheidung „Hurra, ich werde jetzt nikotinsüchtig und freue mich auf die irgendwann mit Sicherheit auftretenden Hustenkrämpfe!“. Er entschließt sich in diesem Augenblick auch nicht dazu, künftig sein Leben von den Zigaretten maßgeblich mitbestimmen zu lassen.

Dessen sollte sich jeder Nichtraucher bewußt sein, wenn er das Handeln der Raucher so überhaupt nicht verstehen kann und dessen sollte sich auch jeder Raucher bewußt werden, wenn er meint, er könne auf das Rauchen nicht mehr verzichten, weil er dann einen Genuß (!) aufgeben würde.

Jetzt, weil er ein paar Tage nicht raucht, meint er schon, blöd daherreden zu müssen, könnte sich ein überzeugter Raucher jetzt natürlich denken. Einspruch! Schon seit vielen Jahren habe ich nicht mehr behauptet, ich würde aus Genuß rauchen! Der einzige Grund, warum ich geraucht habe, war meine Nikotinsucht. Aus etlichen Gesprächen mit anderen Rauchern weiß ich, daß ich nicht der einzige bin, dem es so ging – die meisten langjährigen Raucher wollen auch aufhören, sagen selbst, daß ihnen keine oder nur sehr wenige Zigaretten wirklich schmecken würden. Und trotzdem scheuen sich so viele vor dem Aufhören, weil sie trotz allem mit dem Nichtauchen das Gefühl verbinden, auf etwas sehr Wichtiges oder Angenehmes in ihrem Leben verzichten zu müssen.

An dieser Stelle auch eine kleine Schelte an die Nichtraucher: Ihr macht es den Rauchern nicht einfacher, wenn ihr sie mit Sätzen wie „Du bist so ein starker Raucher, Du schaffst das sicher nie!“ oder „ich glaub nicht, daß Du aufhören kannst“ demotiviert. Und obwohl Nichtraucher überhaupt nichts von den (angeblichen) Nikotin-Entzugserscheinungen wissen können, sind oft sie es, die vor genau diesen „furchtbar schlimmen“ Entzugserscheinungen warnen. Wenn also selbst Nichtraucher, die nie süchtig waren, von diesen furchtbaren Entzugserscheinungen wissen, wie schlimm müssen sie für den Kettenraucher erst wirklich sein?!

Liebe Raucher, glaubt mir, die Entzugserscheinungen sind wirklich vernachlässigbar! Bis gestern (also etwa fünf Tage lang) äußerten sie sich bei mir in einem mit dem Hunger vergleichbaren Gefühl. Keine Schweißausbrüche, keine Nervosität oder Gereiztheit! Ich kenne es aus vielen früheren Aufhörversuchen freilich auch anders – jetzt behaupte ich allerdings, das war die Erfüllung genau jener Erwartungshaltung, die wir über Jahre von allen Seiten hören und daher verinnerlichen.

Wenn man sich bewußt wird, warum man überhaupt raucht, welche Funktionalität (körperlich und psychisch) dahinter steckt, beginnt man das Gefühl zu entwickeln, als Nichtraucher auf nichts, auf absolut nichts verzichten zu müssen, im Gegenteil: Man entwickelt die Freude und Gewissheit, sich endlich von der Fremdbestimmung, dem Zwang des Rauchens, befreien zu können und zu wollen.

Der Weg dort hin ist einfacher und schneller zu erreichen, als man sich das als überzeugter Raucher vorstellen kann. Mein Wegbereiter war die „Allen-Carr-Methode“, von der ich restlos überzeugt bin und die ich jedem nur empfehlen kann!

Von „Entzugserscheinungen“ kann ich also – bis auf das angesprochene Hungergefühl – nicht berichten, die von vielen befürchtete Gewichtszunahme muß ich leider bestätigen. Ich habe allerdings dem Hungergefühl meist nachgegeben, obwohl ich wußte, kein „echtes“ Hungergefühl haben zu können – ein Verhalten, das ich in den nächsten Tagen wieder ablegen muß. Irgendwie würde ich sogar gerne den Beweis erbringen, daß Raucherentwöhnung UND Gewichtsabnahme gleichzeitig möglich ist. Man braucht schließlich Herausforderungen im Leben… 😉

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Kommentare

  1. Pascal  Februar 2, 2013

    Gratuliere! Ich habs auch mit Allen Carr geschafft und rauche schon seit fast 7 Jahren nicht mehr!
    Alles Gute auch weiterhin!

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