...was ich noch sagen wollte...

Nichtrauchertagebuch – Tag 9, der Rückfall

Als ich heute Morgen ins Büro kam, begrüßte mich ein Kollege mit breitem Grinsen und den Worten „…na, lang hast Du’s aber nicht ausgehalten!“. Was genau er denn meine, wollte ich wissen – sein Grinsen wurde noch breiter: „Rückfällig bist word’n, brauchst net abstreiten, I hob Di gestern mit’n Tschickpackerl g’sehn!“. Ja, tatsächlich, ich habe mich gestern Abend, als ich niemanden mehr im Büro vermutete, mit einer Packung Zigaretten still und heimlich in den Raucher-Sozialraum geschlichen.

Sind Sie Raucher und denken Sie sich nun auch „war ja klar, dass er es nicht lange ohne Tschick aushält“? Und empfinden Sie dabei ein klein wenig Genugtuung? Nicht, weil Sie vielleicht besonders schadenfroh wären; eher weil es das bestätigt, was jeder Raucher ohnehin weiß – nämlich dass es verdammt schwer ist, mit dem Rauchen aufzuhören, dass man enorme Willensstärke dazu braucht und dass man die Entzugserscheinungen kaum aushalten kann.

Gleich vorweg: Nein, ich habe keine Zigarette geraucht! Nicht gestern, nicht heute, nicht in den letzten 9 Tagen. Und ich muß den überzeugten Raucher enttäuschen: Es ist nicht schwer, man braucht keine enorme Willensstärke dazu und Entzugserscheinungen mit Zittern und Schweißausbrüchen habe und hatte ich auch nicht.

Mein Auto ist – nein, war – eine Trafik auf vier Rädern. Gestern, nach Dienstschluß, habe ich in der Tiefgarage meinen Wagen ausgemistet und endlich all die unzähligen leeren Zigarettenschachteln entsorgt, die sich so auf dem Rücksitz angesammelt haben. Mitten unter diesem ‚Saustall‘ war noch eine verpackte Zigarettenschachtel. Kurz habe ich daran gedacht, sie mir für den Fall der Fälle aufzuheben, habe mich dann aber doch dazu entschlossen, sie zu „entsorgen“ – nicht im Müll, ich habe sie in den Raucher-Sozialraum quasi zur „freien Entnahme“ gebracht. Und dabei hat mich der Kollege gestern gesehen.

Aber eines stimmt: Als ich die Zigarettenpackung im Sozialraum deponiert habe, mich somit also irgendwie vom letzten „Reservepackerl“ verabschiedet habe, kam es mir schon in den Sinn, aus rituellen Gründen die „absolut letzte Zigarette“ zu rauchen. Kurz. Sehr kurz! Diesen Gedankengang schob ich schnell von mir, ohne mich dazu zwingen zu müssen oder es gar zu bedauern, denn ich vermisse nichts am Rauchen. Was sollte ich auch groß vermissen? Meine morgendlichen Hustenanfälle? Die Panik, die mich überkam, wenn ich die letzte Zigarette aus dem letzten Packerl spätabends geraucht habe und dann nochmal zum nächsten Zigarettenautomaten fahren mußte, zuvor aber noch hektisch Kleingeld gesucht habe, bis mir wieder eingefallen ist, dass der Automat auch 10-Euro-Banknoten nimmt?  Oder das unruhige Gefühl, wenn ich mir nach einem Essen in gemütlicher Runde bei Nichtrauchern unbedingt eine anrauchen wollte, aber die gemütliche Runde nicht verlassen wollte? Das säuerliche Gefühl, in ein Lokal zu kommen, das entweder keinen oder einen bis auf den letzten Platz überfüllten Raucherbereich hatte? Von all den Terminen, Besprechungen oder Flügen erst gar nicht zu reden, wo absolutes Rauchverbot herrschte und wo ich mitunter stundenlang „gefangen“ war…

Nein, nichts davon vermisse ich! Und mal ehrlich: Kennen Sie auch nur einen Vorteil, den das Rauchen bringen würde?

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