...was ich noch sagen wollte...

Nichtrauchertagebuch – Tag 1

Dienstag, 15. Jänner, 07:00 Uhr: Der Wecker klingelt. Mein erster Gedanke, bevor ich noch wirklich wach bin: Soll ich jetzt eine rauchen?

Die letzte Zigarette habe ich vor etwas mehr als 12 Stunden geraucht. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein ausgeprägtes Schlafbedürfnis habe und hin und wieder locker 12 Stunden am Stück durchschlafen kann. In all den Jahren meiner „Raucherkarriere“ konnte ich einen 12, 13 oder 14stündigen Marathon-Schlaf hinlegen, ohne mit Nikotinentzugs-Erscheinungen aufzuwachen. Warum also jetzt plötzlich, nach gerade 13 Stunden, diese fast panikartige Beschäftigung mit der Frage, ob ich endlich wieder rauchen soll?
Nein, das kann keine Entzugserscheinung sein, sonst hätte ich nie über 12 Stunden durchschlafen können, wäre längst nachts aufgewacht, hätte aufstehen müssen, um meine Sucht zu befriedigen. Nichts davon wäre mir jemals in den Sinn gekommen. Also kann mich nur allein der Gedanke, nicht mehr rauchen zu wollen, in leichte Panik versetzen. Irre, denke ich mir und beschließe: Nein, ich rauche jetzt keine!

10:00 Uhr, im Büro: Mir reicht es, wozu soll ich mich quälen? Meine Gedanken kreisen unaufhörlich um ein Thema – soll ich wieder rauchen? Nein, eigentlich ist die Frage nicht, ob ich rauchen soll, sondern bloß ab wann ich wieder rauchen soll. Gleich jetzt? Nach dem Mittagessen? Soll ich mich irgendwo verstecken und heimlich rauchen, damit nicht gleich allen auffällt, dass ich in so kurzer Zeit schon wieder schwach geworden bin? Wurscht, ob mich andere gleich jetzt dabei ertappen oder erst morgen – macht keinen Unterschied. Bin ich eben ein willensschwacher Lulu. Na und? Lieber willensschwacher glücklicher Raucher als willensstarker unglücklicher Nichtraucher!

10:10 Uhr: Eine Kollegin sieht’s mir wohl an. „Warum machst nicht wieder den Nichtraucher-Kurs, den Du damals gemacht hast? Hat doch prima funktioniert, zumindest drei Jahre!“
Hmmm, stimmt, ja. Warum eigentlich? Was war damals anders? Warum war das Nichtrauchen nach einem 6stündigen Workshop so einfach? Warum bin ich damals nicht panisch durch die Gegend gelaufen? All das war einfach kein Thema. Im Gegenteil, schon nach der ersten Nacht bin ich eher glücklich aufgewacht – glücklich, endlich diese lächerlichen Zigaretten, die meinen ganzen Tagesablauf bestimmten, nicht mehr zu brauchen, diesen Klotz am Bein endlich los zu sein.

Anstatt im Auto nach meiner letzten Schachtel Zigaretten zu suchen, schnappe ich mein Handy, starte die Kindle-App und suche, ob es eines von Allen Carrs Bücher auch als eBook gibt. Gibt es! „Für immer Nichtraucher – der einfache Weg, dauerhaft mit dem Rauchen Schluß zu machen!“. Gut, ich rauche doch keine – ich lade mir das Buch und probier’s noch einmal mit der „Allen-Carr-Methode“. Vielleicht klappt’s ja noch einmal…

Da fällt mir auch wieder ein: Ich bin doch kein willensschwacher Lulu! Raucher sind nämlich besonders willensstarke Persönlichkeiten! Es braucht schließlich einer enormen Stärke an Kraft und Wille, allen gesundheitlichen Risken zum Trotz weiter zu rauchen! 😉

20:00 Uhr: Erst 47 von 664 Seiten gelesen, aber es geht mir gut. Einiges an Erinnerungen aus dem  Nichtraucher-Seminar von vor 6 Jahren wird beim Lesen des Buches wieder wach. Ich weiß wieder, was da heute Vormittag mit mir los war und ich bin stolz auf mich, doch nicht nach der letzten verbliebenen Zigaretten-Schachtel gesucht zu haben. Jetzt freue ich mich auf die nächste Stunde, die eine rauchfreie Stunde mehr ist. Ich freue mich auf morgen, der ein rauchfreier Tag sein wird – diesmal ohne panischem Wachwerden und ohne der Frage, ob ich rauchen soll oder doch nicht!

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