...was ich noch sagen wollte...

Nichtrauchertagebuch – Monat 6

Es gibt eine Faustregel, die Aufschluß darüber geben soll, ob man es geschafft hat – ob man die Zigaretten endgültig hinter sich gelassen hat. Angeblich kann man sich dann in Sicherheit wiegen, wenn man nicht mehr weiß, in welchem Jahr, in welchem Monat, an welchem Tag man die letzte Zigarette geraucht hat. Erstens weiß ich es noch, zweitens halte ich nichts von dieser Regel. Solange es etwas geben kann oder etwas passieren kann, das das alte Denkmuster reaktiviert, demzufolge man meint, in einer ganz bestimmten Situation eine Zigarette zu brauchen, solange muß man ehrlicherweise sagen: Ich weiß nicht, ob ich es geschafft habe.

Ist daher nicht jeder ehemalige Raucher lebenslang gefährdet, rückfällig zu werden? Schlimmer noch, ist er lebenslang Gefangener? Nicht zwangsläufig! Die Frage ist wohl, wie sehr man wirklich verinnerlicht hat, dass man keine Zigarette braucht. Dass – egal wie schlimm eine Lebenssituation auch gerade sein oder bloß erscheinen mag – keine Zigarette der Welt ein Problem lösen, ja nicht einmal lindern, kann.

Nun, es gab zum Glück in den letzten Monaten kein Ereignis, an dem ich das Verinnerlichen dieses Wissens hätte austesten können – und ich wünsche mir ein solches auch nicht herbei. Nicht, weil ich Angst davor hätte, doch rückfällig zu werden, sondern weil ich mir – wie wahrscheinlich alle – keine Lebenskrisen wünsche!

Derzeit ist es jedenfalls noch immer so, dass ich keine Zigarette vermisse, ich denke praktisch nie über das Rauchen nach – während ich diese Zeilen tippe natürlich schon und dabei wird mir bewußt, dass das Rauchen in den letzten Monaten keine Rolle spielte. Als Raucher habe ich weit öfter und intensiver über das Rauchen nachgedacht. Einerseits deshalb, weil es mich vor vielen unbekannten Situationen/Terminen beschäftigte, ob ich dabei rauchen dürfe; andererseits deshalb, weil das schlechte Gewissen und mögliche gesundheitliche Auswirkungen des Rauchens immer häufigere Begleiter wurden.

Es bereitet mir auch keinerlei Probleme, mit Kollegen in den Raucher-Sozialraum zu gehen und den Zigarettenrauch anderer einzuatmen. Ich hatte dabei nie den Wunsch, selbst wieder zu rauchen. Der Gestank (und ja, Zigarettenrauch – besonders kalter, abgestandener – stinkt wirklich) macht mir nichts, solange ich die Örtlichkeit wieder verlassen kann. Ich mag es aber überhaupt nicht, wenn man mir mein Büro oder mein Haus vollqualmen will. Insofern mögen Raucher in mir schon das sehen, was man ehemaligen Rauchern gerne nachsagt: Dass sie nämlich miletantere Nichtraucher seien, als Nichtraucher, die nie selbst geraucht haben. Keine Ahnung, ob das stimmt – da mich das Rauchen aber (außer in den erwähnten Räumen) nicht weiter stört und es praktisch nie Gesprächsthema ist, würde ich mich als durchaus toleranten Nichtraucher bezeichnen. Im Gegenteil, als ehemaliger Raucher habe ich sogar großes Verständnis für die „Not“ der Raucher, wenn sie irgendwo ihrer Sucht nicht frönen dürfen.

Die positiven Aspekte des Nichtrauchens beschränken sich nicht nur darauf, dass es die von vielen beschriebenen Schwierigkeiten in der „Aufhör-Phase“ nicht gibt, die weitaus angenehmeren Folgen des Nichtrauchens sind ein verbesserter, weil verfeinerter, Geschmacksinn, der Wegfall des typischen Raucherhustens und die Fähigkeit, sich wieder in Freiheit an Schönem erfreuen zu können – Freiheit deshalb, weil kein Rauchverbot mehr so viele kleine Freuden trüben kann! In vielerlei  Hinsicht kann man also wieder völlig frei durchatmen!

Fast ein halbes Jahr nach meiner letzten Zigarette behaupte ich also noch immer: Aufhören ist nicht schwierig! Wenn man die angeblich so furchtbaren Entzugserscheinungen nicht herbeiredet und -denkt, gibt es sie nicht. Mit der richtigen Einstellung und dem nötigen Wissen, warum man überhaupt je geraucht hat, macht das Aufhören sogar Spaß. Nachwievor kann die die Allen-Carr-Methode nur empfehlen!

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