...was ich noch sagen wollte...

Nichtrauchertagebuch – Monat 10

Erinnerungen. Manchmal tauchen sie völlig zusammenhanglos auf. Sie sind plötzlich da. Erinnerungen, die oft Jahrzehnte zurück liegen. Eine solche Erinnerung drängte sich heute in mein Bewußtsein, die mindestens 25 Jahre zurück liegt: Der Beginn meiner langjährigen „Raucherkarriere“.

Irgendwann Mitte der 80er-Jahre begannen plötzlich viele gleichaltrige Freunde und Bekannte zu rauchen, als würde eine Virus-Epidemie über uns hereinbrechen. Ein Virus vom Typ „Cool-sein-wollen“. Wie Generationen vor und nach uns, suchten wir als Jugendliche Mittel und Wege, die unterstreichen sollen, dass wir endlich erwachsen geworden sind, dass wir „echt cool“ sind. Das Mittel hieß Zigarette, der Weg Rauchen.

Und auch bei mir manifestierte sich dieser Wunsch mehr und mehr, bis ich eines Tages beschloß, ebenfalls mit Rauchen meine Coolness unter Beweis stellen zu müssen. Freunde erzählten mir, wie „hart“ und „tapfer“ man bei den ersten Zigaretten sein muß, weil Husten- und Brechreiz ernstzunehmende Hürden seien, die es zu meistern gilt. Das stellte mich vor ein Problem – aber gut, wenn das der Preis des Erwachsen- und Coolseins ist, dann muß er wohl oder übel bezahlt werden. Allerdings wollte ich mir die Blamage des Hustenanfalls nicht in Gesellschaft geben und beschloß daher, die ersten Zigaretten heimlich zu rauchen, also quasi das Rauchen üben, um später als perfektionierter Raucher auftreten zu können. Gedacht, getan!

Schon auf dem Weg zum Trafikanten überlegte ich mir, welche Zigarettensorte es überhaupt werden sollte. Auf keinen Fall wollte ich mit dem Strom aller anderen schwimmen, es mußte also eine Sorte werden, die nicht jeder in seiner Brusttasche herumtrug. Marlboro oder Milde Sorte schieden also von vornherein aus. In der Trafik angelangt war es dann eine spontane Bauchentscheidung – ich wählte eine Sorte, die ich noch nie bei anderen gesehen habe. Trend.

Was ich damals nicht wußte: Dass „Trend“ die damals wahrscheinlich leichteste Sorte war. Wenig Nikotingehalt, wenig Teer. Beim Üben mit der erstanden Sorte trat zwar ein leichtes Schwindelgefühl auf, vom beschriebenen Husten- und Brechreiz war allerdings nichts zu merken. Mein Eindruck des Rauchens war: Völlig harmlos, echt einfach! Warmduscher, die davon einen Hustenanfall bekommen! Ich bin doch wirklich eine harte, coole Sau!

Viele Übungszigaretten aber nur wenige Tage später, wandte ich mich beim Fortgehen an einen rauchenden Freund: „Geh, schnorr mir eine, ich brauch a Zigarett’n!“. Besagter Freund rauchte Marlboro. Blöd. Ganz blöd. Zwei Lungenzüge später hing ich zwischen Tischplatte und Sitzbank und hustete mir die Seele aus dem Leib. Nichs geworden mit „Blamage vermeiden“. Wurscht, war bald vergessen, denn immerhin erzählten ja auch die anderen von ganz ähnlichen Erlebnissen und nun bin ich eben doch in aller Öffentlichkeit cool und erwachsen geworden. Der Hustenreiz verschwand bald, was blieb, war ein ständiger Begleiter, ein treuer Freund, der mir in jeder Lebenssituation zur Seite stand – ein Zigarettenpackerl. Ein Packerl, das vorerst nur ein- oder zweimal pro Woche gekauft werden mußte, bald aber täglich und irgendwann pro Tag in zwei-, später sogar dreifacher Ausfertigung.

Aus dem Heute betrachtet eine durchaus witzige Erinnerung an die ersten Tage meines Raucherdaseins. Weniger witzig war dann allerdings der Verlust jeder Selbstbestimmung, wie die Folgejahre zeigten, als die Zigaretten meinen Lebensrhythmus bestimmten, als sie, nicht ich, die Lokale wählten, in die gehen konnte, weil ich Nichtraucherlokale meiden mußte, wie der Teufel das berühmte Weihwasser.

Ich bin noch immer heilfroh, im Jänner das Rauchen aufgegeben zu haben, noch immer habe ich diese Entscheidung keine einzige Sekunde bereut und noch immer entdecke ich Umstände und Situationen, die ohne Zigaretten ein deutliches Mehr an Lebensqualität bedeuten!

Artikel teilen:
2

Kommentare

  1. Sabine  November 9, 2013

    Gratuliere zur Ehrlichkeit und Selbsterkenntnis! Nur wenige Ex-Raucher können über ihr Verhalten als Raucher so humorvoll berichten. Wünsch Dir, dass Du nicht rückfällig wirst!
    lg Sabine

    antworten
  2. puschi  Mai 22, 2015

    hi 🙂 hab jetzt nicht gesehen wie alt der blog schon ist, es stand: monat 10.
    will etwas erzählen zum thema rückfall. bin 38 jahre alt, tschickstart war für mich die lehrzeit und vorm bundesheer hörte ich damit auf, weil mich einerseits ein freund damit aufzog süchtig zu sein – und ich begriff, daß dies stimmte – und andererseits, weil ich so viele horrorgeschichten vom bundesheer hörte und fit sein wollte 🙂 das was eine gute entscheidung, ich blieb 3 jahre vereinstreu *gg*, und die horrorgeschichten waren wahr, zumindest was die ausbildnerkurse betrifft. 23 km laufen von lofer nach saalfelden in der letzten woche war schon was!
    rückfall kam 2002 im 2. jahr der maturaschule dr. roland nach einem beziehungsende und lateinproblemen, oh mann. ich war schnell wieder auf meinen 1-2 päckchen. und wieder lief mir mein freund übern weg und redete mir ins gewissen. rauchstop für ein jahr. mein geburtstag im august, rauchen wie ein schlot, 2 monate lang. rauchstop bis nächsten geburtstag. 1 monat rauchen. rauchfrei bis nächsten geburtstag… also bei jedem geburtstag rauchte ich wieder, mittlerweile nur eine woche im jahr und es war mir schnurzpiepegal. allerdings habe ich jetzt schon 2 geburtstage ohne rauch hinter mir, des bringt nix.
    fazit: einfach nicht rückfällig werden, denn das dauert eine ganze weile und kostet viel energie, wieder damit aufzuhören. OH!! vergaß: dr. joseph murphy’s „endlich nichtraucher“ hilft beim geistigen entgiften und ist empfehlenswert.
    lg, nichtraucherbussi :3

    antworten

Schreibe einen Kommentar