...was ich noch sagen wollte...

Nichtrauchertagebuch – Jahr 3

Kurt Kuch, Journalist und Buchautor, setzte sich seit seiner Diagnose „Lungenkrebs“ offensiv für Nichtraucherschutz ein, thematisierte seine eigene Erkrankung und die Folgen des Rauchens in den sozialen Medien und unterstützte die Aktion DON’T SMOKE. Es war ein Kampf gegen die Krankheit, gleichzeitig aber wohl auch ein Kampf gegen Windmühlen, denn Österreich scheint nicht nur wegen des sehr halbherzigen Nichtraucherschutzes eine der letzten Raucherbastionen Europas zu sein.

Ebenso traurig wie wahr: Erst mit dem Tod Kurt Kuchs hat sein Anliegen jene Aufmerksamkeit (auch auf politischer Ebene) erreicht, die er sich immer gewünscht hat. Noch vor wenigen Wochen wäre es undenkbar gewesen, dass sich ein ÖVP-Bundesparteiobmann klar für ein absolutes Rauchverbot in Lokalen ausspricht. Plötzlich ist Bewegung in der Sache und ein Rauchverbot scheint in greifbare Nähe gerückt zu sein. Brauchte es dazu den Tod eines prominenten Journalisten?

Aus der Erfahrung meiner eigenen, über 20jährigen, „Raucherkarriere“ weiß ich, dass die gesundheitlichen Aspekte des Rauchens – vor allem in jungen Jahren – keinerlei Rolle spielen. Solange Rauchen „in“ und „cool“ war, wäre mir nie in den Sinn gekommen, damit aufzuhören. Warum auch?

Meine Motivation, mit dem Rauchen aufzuhören, war eigentlich eine ganz andere: Ich wollte wieder frei sein, mein Leben und meinen Tagesablauf nicht von den Zigaretten bestimmen zu lassen. Genau das taten sie nämlich – sie haben mir die schönsten Situationen vermiest, weil ich sie nicht geniessen konnte, wenn ich nicht gleichzeitig dabei rauchen durfte. Sie versetzten mich allein schon bei dem Gedanken, ein Flugzeug zu besteigen, in Panik, weil ich dort nicht rauchen durfte. Sie bestimmten darüber, was ich nach dem Wachwerden zuerst erledigen mußte: Rauchen!

Über die Folgen des Rauchens wußte ich natürlich schon damals bescheid, gleichzeitig habe ich sie – wie die meisten Raucher – einfach verdrängt. Erst vor wenigen Tagen habe ich eine typische Situation in einem kurzen Gespräch an einer Fußgänger-Ampel erlebt: Zwei Personen warteten auf grün – eine davon bekam einen wirklich furchtbar klingenden Hustenanfall. „Rauchen aufhören, wär‘ a Idee“, meinte die zweite. Nachdem sich der Hustenkrampf gelegt hat meinte die erste: „Nein, ich bin nur verkühlt!“. Das ist kein Lügen. Ich weiß es noch, die gleiche Antwort habe ich vor fünf Jahren gegeben, wenn mich jemand auf meinen Raucherhusten ansprach. Raucher nehmen es nicht wahr, dass sich das Rauchen bereits negativ auf die eigene Gesundheit auswirkt, sie ignorieren die Hustenkrämpfe und glauben tatsächlich, sie wären nur erkältet.

Im dritten Jahr meines Nichtraucherdaseins, trete ich für einen umfassenden Nichtraucherschutz ein. Ja, auch für ein Rauchverbot in Lokalen. Nicht, weil ich mich zu einem sogenannten „militanten Nichtraucher“ entwickelt hätte (ehemaligen Rauchern sagt man ja gerne nach, sie wären schlimmer als jeder Nichtraucher), sondern weil ich fest davon überzeugt bin, dass sich nur so etwas ändern kann.

Die Erfahrungen anderer Länder mit dem Rauchverbot zeigen, dass sich in relativ kurzer Zeit positive Effekte einstellen. Die Gastronomie wurde dort nicht in den kollektiven Ruin getrieben, eigentlich leben alle sehr gut mit den Rauchverboten.

Manche von uns erinnern sich bestimmt noch an die Diskussionen und den Aufschrei, der durchs Land ging, als die Gurtenpflicht eingeführt wurde. Und heute? Gibt es noch jemanden, der nicht von der Sinnhaftigkeit der Gurtenpflicht überzeugt wäre? So wird es auch einmal mit dem Rauchverbot sein. Je früher, desto besser!

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