...was ich noch sagen wollte...

Meine Oma – eine weise Frau!

Wir alle haben eine – eine Großmutter. Viele durften, manche mußten, Zeit mit und bei ihr verbringen. Großmütter sind bekannt dafür, uns als Kinder mit Geschenken, selbstgemachten Gaumenfreuden und Selbstgestricktem zu überraschen und verwöhnen. OK, das Selbstgestrickte war meist nicht sooo der Renner…

Meine Oma war zudem eine weise Frau! In jeder Situation, auf jede Frage wußte sie eine passende Erklärung. Eigentlich waren es nicht bloße Erklärungen, es waren Weisheiten – universelle Lebensweisheiten, die zeitlos bis in die Gegenwart ihre Gültigkeit immer und immer wieder beweisen:

Heute, zum Beispiel, auf dem Weg ins Büro, sind mir trotz schlechter Sicht (Überraschung: im November soll es hin und wieder nebelig sein) wieder etliche unbeleuchtete Fahrzeuge von den „Am-Tag-brauch-ich-kein-Licht-Fanatikern“ entgegen gekommen. Ihnen begegne ich mit ähnlichem Unverständnis, wie den Mittelspurfahrern auf dreispurigen Autobahnen, die einen völlig leeren rechten Fahrstreifen konsequent ignorieren. Meine Oma – eine weise Frau – hätte die passende Erklärung dafür: ‚Es gibt mehr Trotteln ois Buagamasta!

Vor ein paar Wochen kannten Österreichs Medien tagelang nur ein Thema – die Rangelei zwischen Sido und Dominik Heinzl nach der ORF-Show „Die große Chance“. Während die ORF-Verantwortlichen noch die Nacht über darüber berieten, wie sie auf die Handgreiflichkeiten Sidos reagieren sollten, hätte ihnen meine Oma – eine weise Frau – noch am selben Abend sagen können: ‚Oba de Watsch’n nimmt eam aa da Popst nimma owa!

Es ist schon eine zeitlang her, da berichteten die Zeitungen von einem besonders skurilen Einbruch – der Dieb ist während seines Einbruchs einfach eingeschlafen und wurde Stunden später unsanft von der Polizei geweckt. Meine Oma – eine weise Frau – hätte eine trockene Empfehlung für den verhinderten Einbrecher: ‚Der konn aa in die Kuch’l gehn, des Ofntiarl aufmochn und eineschrein: Ohh Herr ich bin dumm und weiß nicht warum!

Ebenfalls in Zeitungen kann man fast in regelmäßigen Abständen davon lesen, daß Eltern ihre – zumeist sehr kleinen – Kinder einfach auf Autobahn-Raststationen vergessen und erst zu Hause merken, daß etwas fehlt… Da frägt man sich natürlich schon, wie so etwas überhaupt passieren kann und was in diesen Eltern vorgehen mag. Meine Oma – eine weise Frau – müßte nicht lange rätseln: ‚Unsa Herrgott hot an großen Tiergort’n – und des san de greßten Viecha!‘

Wie oft ich schon gefragt wurde, besonders bei Besprechungsterminen in anderen Sozialversicherungsträgern, ob ich mit dem ehemaligen GPA- und Hauptverbandspräsidenten Hans Sallmutter verwandt bin. Immer die gleiche Antwort – nein, weder verwandt noch verschwägert! Meine Oma – eine weise Frau – hätte das anders formuliert: ‚Mein Gott, es gibt mehr Hund, de Pinschal haß’n!

Ich gehöre noch jener Generation an, die als Kinder auf Bäume kletterten, weil sie keine Computer-Spiele hatten. Da kam es schon hin und wieder vor, recht unsanft mit der Erdanziehung Bekanntschaft zu machen. Nebst großem Aua gab es manchmal auch bittere Tränen. Meine Oma – eine weise Frau – brachte dann die österreichische „Hätti-wari-Mentalität“ gekonnt auf den Punkt und flocht noch einen Lehrsatz ein, für das eigene Handeln die Konsequenzen tragen zu müssen: ‚Brauchst goa ned rean – wast ned aufe graxelt, wast ned owag’flogn!

Wenn man sich bei merkwürdigem Verhalten von Kindern oft fragte: „Von wem hat er/sie das nur? Weder Mutter noch Vater waren so!“ und darüber räteselte, welche Verwandtschaftslinie dafür verantwortlich zeichnen könnte, kannte meine Oma – eine weise Frau – die besonders schwer zu deutende Antwort: ‚Nojo, do hod hoid aa da Hund in Boch brunzt und da Esl außa trunkn!

Und wenn man wieder mal darüber rätselte, ob der ortsansässigen Pfarrer eventuell doch ein sexuelles Verhältnis zu seiner „Pfarrersköchin“ pflegen könnte, war das Rätsel für meine Oma – einer weisen Frau – längst gelöst: ‚Freilich! Außaschwitz’n konn’as aa ned!

Apropos: „Außa“. Jeden von uns haben schon mal Blähungen gequält. Umso unangenehmer, wenn man sich dabei in Gesellschaft befindet und so überhaupt keinen Weg sieht, sich still und heimlich irgendwo hin zu verdrücken, um sich zu erleichtern. Meine Oma – eine weise Frau – quälte sich erst gar nicht lange und ließ ungeniert zu, was der Körper dringend verlangte. Schrägen Blicken antwortete sie ganz lapidar: ‚Außa muaß’a – er zoit kan Zins!

Ja, meine Oma war eine weise und doch witzige Frau!

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