...was ich noch sagen wollte...

Meine korrigierte Wahlprognose

Anfang September habe ich meine Einschätzung zur Nationalratswahl in Form einer Wahlprognose zusammengefasst. Zwischenzeitig gab es eine Reihe von Fernsehkonfrontationen und -auftritten der Spitzenkandidaten in verschiedenen Sendern, die mal mehr, mal weniger geglückt sind. Das alles führt zu meiner korrigierten, aktualiserten Wahlprognose.

Wie schon im Beitrag „Über die Kunst einen Wahlkampf zu vergeigen“ erörtert, hat es die ÖVP nicht geschafft, sich selbst und ihren Spitzenkandidaten auf die Überholspur zu schicken. Eher im Gegenteil. Die Chancen der ÖVP habe ich zu Beginn des Wahlkampfes weit höher eingeschätzt, als heute. Den Wettbewerb der schlechtestmöglichen Auftritte hat freilich Frank Stronach konkurrenzlos gewonnen. Obwohl er das Potential hatte, kräftig und durchaus erfolgreich im Teich der Protestwähler zu fischen, hat er mit seinen grenzwertigen und zum Teil wirklich wirren Fernsehauftritten das Kunststück geschafft, seine Umfragewerte von Mal zu Mal zu unterbieten. Nutznießer dieses Umstandes ist zweifelsfrei Straches FPÖ.

Hingegen ist es Werner Faymann gelungen, besonders seine Kernwählerschichten anzusprechen. Er hat sich keine Schnitzer erlaubt und konnte so wohl auch seinen „Kanzlerbonus“ vollends ausspielen. Das ist insofern überraschend, als der kurzfristige Aufreger um eine möglicherweise verbotene Wahlplakatfinanzierung duch den SPÖ-Parlamentsklub selbst Stammwähler hätte verschrecken können. Ob Zufall oder geschickte Gegenstrategie – das Thema hat sich trotz gegenteiliger Bemühungen der ÖVP nach einer knappen Woche wieder verlaufen.

Die Grünen haben sich in meiner Wahrnehmung im letzten Monat kaum bewegt. Keine Patzer, aber auch keine zusätzlichen Treffer.

Überrascht hat mich auch Josef Bucher – obwohl praktisch alleine in auffallender Rolle im Wahlkampf unterwegs, konnte er die meisten Auftritte dazu nutzen, sich selbst zum Sympathieträger aufzubauen, ohne dass ihm der Kampf ums Überleben anzusehen gewesen wäre. Eigentlich hätte ich vermutet, zum Ende des Wahlkampfes wäre er verbraucht und Panik könnte sich breit machen. Nichts davon ist festzustellen. So betrachtet ist er für mich der Gewinner im Wahlkampf.

NEOS hat – nicht zuletzt durch den Einsatz von Haselsteiner – in den letzten beiden Wochen etwas an Schub gewonnen. Obwohl es mich irritiert, dass man mit Haselsteiner einen Propenenten ins Rennen schickt, der überhaupt nicht kandidiert – weder auf der Bundes-, noch auf einer Landesliste.

Daraus ergibt sich für mich zusammenfassend folgende Neubewertung:

SPÖ: 26 %
ÖVP: 23 %
FPÖ: 21 %
Grüne: 13 %
Stronach: 6 %
BZÖ: 5 %
NEOS: 4 %
Sonstige: 2 %

 

 

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