...was ich noch sagen wollte...

Das universelle Heilmittel

Wäre es nicht eine feine Sache, wenn es ein Medikament gäbe, das in allen Situationen, in denen wir uns unwohl fühlen, Abhilfe schafft? Klar! Und dieses universelle Heilmittel gibt es längst: Tabak!

Beruflicher Streß? Wir wissen nicht mehr, was wir zuerst erledigen sollen – eine Rauchpause und schon geht alles viel leichter von der Hand!

Unangenehme Situationen? Wir müssen dem Chef beichten, doch nicht bis heute Abend mit dem Entwurf fertig zu werden – zuvor eine Rauchen, dann findet man im Gespräch die besseren Worte!

Angespannt? Wir wissen ja, dass unsere Ernährungsgewohnheiten im Blutbefund ihren Niederschlag finden werden – vor der Befundbesprechung schnell noch eine Rauchen, dann läßt sich die Diagnose des Arztes besser ertragen!

Entspannt? Endlich, nach einem arbeitsintensiven Tag, machen wir es uns auf der Couch gemütlich. Eine Tasse Kaffee, die Vorfreude auf angenehmen Besuch – und eine Zigarette, schon gipfelt der Entspannungszustand in himmlischen Sphären!

Nervös? Vor dem Vorstellungsgespräch ein, zwei Zigaretten geraucht und schon wissen wir uns gut, selbstsicher und dabei doch bescheiden zu verkaufen.

Glücklich? Wovon wir schon lange geträumt haben, endlich ist es in Erfüllung gegangen – zur Genugtuung eine Zigarette und ein Gefühl absoluter, vollständiger Zufriedenheit macht sich in uns breit!

Unglücklich? Die Frau unserer Träume offenbart uns, nicht Teil ihrer Träume zu sein – der Schock läßt sich mit einer halben Packung Zigaretten doch viel besser verdauen!

Bei diesem breiten Wirkungsspektrum des Heilmittels Zigarette, das selbst gegenteilige Zustände und Befindlichkeiten auszugleichen vermag, wundert es mich, dieses Wunderding rezeptfrei in der Trafik kaufen zu können…

Leider ist auch dieses hochdosierte Heilmittel nicht frei von Nebenwirkungen: Es tötet uns.

Und wie ist das mit den Nichtrauchern? Sind sie gestresster, angespannter, nervöser als Raucher? Kennen sie weniger Glück? Können sie nicht entspannen? Eher nicht, im Gegenteil – sie machen auf mich sogar einen weniger gestressten, angespannten Eindruck, sie genießen viele Situationen, in denen wir Raucher hektisch, fast panisch werden:

Allein das Buchen eines mehrstündigen Fluges versetzt mich in Panik – wie werde ich den Flug ohne Zigarette bloß meistern? Der Nichtraucher reagiert mit mitleidigen Blicken auf meine Befürchtungen. Der Flug selbst grenzt dann an Folter.

Schon wieder eine Besprechung in einem Nichtraucher-Saal – hoffentlich dauert’s nicht wieder stundenlang! Und was, wenn es nicht mal eine Rauchpause gibt??

Und dann erst diese widerlichen Partys! Da steht man in der Gegend herum, in der einen Hand das Glas, in der anderen die Zigarette – und? Wie, verdammt, soll ich jetzt mein Brötchen essen? Der absolute Gipfel der Unerträglichkeit sind Nichtraucher-Partys – entweder friere ich mir auf dem Balkon die Finger ab oder ich stehe in einem dunklen Stiegenhaus… Aber immerhin kann ich qualmen, sollen sich diese ungeselligen Nichtraucher doch im warmen Wohnzimmer langweilen! Nicht, dass Partys angenehmer wären, bei denen man im Kreis sämtlicher Gäste, die Nichtraucher sind, rauchen darf – wohin soll ich jetzt wieder äschern? Ins Glas meines Gesprächspartners??

Der absolute Worst Case: Weihnachtsfeiertage: Die Zigaretten sind ausgegangen – alles geschlossen und kein Kleingeld zu Hause!

Vor ein paar Jahren habe ich eine beeindruckende Dokumentation über die Folgen des Rauchens gesehen – furchtbare Bilder, schreckliche Schicksale. Menschen, die Sauerstoffflaschen hinter sich her schieben und mit Schläuchen in der Nase herumlaufen. Vor lauter Schock mußte ich mir gleich mal eine anrauchen…

Ich versteh’s ja selbst nicht: Würde man mir sagen, der Komsum von Bananenschnitten würde mit hoher Wahrscheinlichkeit Krebs verursachen, ich würde Zeit meines Lebens – so sehr ich sie liebe – keine einzige Bananenschnitte mehr anrühren. Nur bei der Zigarette funktioniert dieser Abwehrmechansismus offenbar nicht…

Aber jetzt reicht’s wirklich! Nicht, weil ich es satt habe, immer mehr und öfter als Raucher wie ein Aussätziger behandelt zu werden – vielmehr, weil ich es satt habe, meinen Tagesablauf ganz und gar dem Rauchen anpassen zu müssen, weil ich nicht mehr Sklave des Tabaks sein will und natürlich, weil ich gerne noch ein paar Jahrzehnte mit Lebensqualität verbringen möchte, höre ich jetzt endlich auf mit der Qualmerei.

Gut, zugegeben, nicht das erste Mal. Bisher bin ich kläglich gescheitert, aber diesmal, ja, diesmal wird alles anders!

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