...was ich noch sagen wollte...

Alle lieb(t)en Frank

Die heimischen Spitzenpolitiker überschlugen sich förmlich, wenn es darum ging, Frank Stronach zu danken und zu huldigen. Seine wirtschaftlichen Investitionen in Österreich und damit einhergehend die geschaffenen Arbeitsplätze waren Anlaß für überschwängliche Dankesreden. Frank Stronach wurde mit Ehrendoktoraten, Ehrenbürgerschaften, Ehrenringen und Ehrenzeichen förmlich überhäuft – von Gemeinden, Landeshauptleuten, Universitäten, bis hin zur Bundesregierung. Und sie alle ließen sich lächelnd, händeschüttelnd oder gar umarmend mit dem so erfolgreichen „Heimkehrer“ fotografieren. Denn alle liebten Frank.

Doch dann wurde der reiche, liebe Onkel aus Kanada plötzlich skeptisch beäugt – er ließ nämlich erkennen, mit der Politik im Lande nicht ganz einverstanden zu sein und überlegte öffentlich und medial wirksam, ob er sich nicht in der einen oder anderen Art und Weise politisch einbringen soll. Von finanzieller Unterstützung für eine Partei war anfänglich die Rede. Daraus wurde aber nichts. Statt dessen gründete Frank Stronach gleich selbst eine Partei.

Wurde Frank Stronach dafür anfangs noch als alter Herr belächelt, der sich ein neues Hobby zum Spielen gefunden hat, zeigten Meinungsumfragen, die ihm aus dem Stand heraus einen rund 10 %igen Wählerstimmenanteil auswiesen, dass man ihn als politischen Konkurrenten wahrnehmen muß. Und damit wurde er schlagartig zum Feind. Warum tat er sich das an? Hätte er nicht seinen Lebensabend weiterhin damit verbringen können, Ehrungen und Auszeichnungen anzunehmen?

Mittlerweile gibt es sogar schon ein (lang vermisstes) Parteiprogramm. Und darin findet man durchaus Ziele und Standpunkte, die man unterstützen kann oder gar muß – welcher Wähler wäre schließlich nicht gegen Korruption? Vielen der Programmpunkte fehlt es noch an konkreten Umsetzungsplänen, manches scheint zu schlagwortartig, aber prinzipiell läßt sich darin vieles finden, das tauglich für einen modernen, zukunftsgerichteten Staat ist.

Ist das „Team Stronach“ also eine echte Alternative zu den Altparteien?

Leider Nein. Schon die Bezeichnung „Team Stronach“ ist irreführend – diese neue Partei ist kein Team, sie ist eine „One-Man-Show“. Frank Stronach ist absoluter Herrscher, der nicht nur seine vielzitierten „Werte“ im Alleingang vorgibt, er ist auch Herr über Karriere oder Sturz der Mandatare. Im Vorfeld der NÖ Landtagswahl hat er für Aufruhr gesorgt, indem er – mit Blick auf den Landeshauptmann – NÖ mit einer Diktatur verglichen hat. Nun, man könnte auch auf die Idee kommen, diesen Vergleich auf das Team Stronach und seinen Gründer anzuwenden…

Dass Standpunkte und Ankündigungen in Detailfragen binnen weniger Tage ins totale Gegenteil gekehrt werden, läßt zudem wenig Vertrauen aufkeimen und schließlich stellt sich die Frage, was aus einer ins Parlament gewählten Bewegung wird, wenn der allmächtige Frank Stronach (aus gesundheitlichen Gründen) plötzlich nicht mehr die Fäden ziehen kann.

Diese rein organisatorischen Bedenken machen das „Team Stronach“ für mich unwählbar. Aber auch inhaltlich, trotz aller guten, unterstützungswürdigen Ansätze, komme ich vor allem mit seiner Anti-EU- und -Euro-Haltung nicht klar. Wohl wissend, dass gerade diese Themen für viele ausschlaggebend sein werden, ihm und seiner Bewegung die Stimme zu geben. Dabei müssen sich freilich auch die derzeitigen Koalitionsparteien die Frage gefallen lassen, inwieweit sie für die EU-kritische Stimmung in breiten Teilen der Bevölkerung nicht selbst die Verantwortung tragen.

Die Spitzenpolitik hat also im Laufe des letzten Jahres ihre Liebe zu Frank Stronach verloren. Wer dem politischen System nicht mehr nützt, dessen Strahlkraft man nicht mehr für das eigene Image nutzen kann, der sich sogar erdreist, dieses System offen anzugreifen, der wird verschmäht. Am Abend des 29. September werden wir sehen, wie sehr ihn das Wahlvolk liebt. Und wahrscheinlich schon wenige Monate später werden wir wissen, wie lange diese mögliche Liebe anhalten wird…

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